Flansch für Sechsbackenfutter

Video zum Projekt in englischer Sprache:
Zentra six jaw chuck and backplate
(Öffnet in neuem Fenster auf Youtube.)

Ein Sechsbackenfutter für die Drehmaschine wollte ich schon lange Zeit, allerdings haben mich die Preise immer etwas abgeschreckt.
Zentra hat Ganzstahlfutter mit Feinverstellung zu einem erträglichem Preis, so eines habe ich mir in 125mm mit einteiligen Backen bestellt.
(Der Grund für die einteiligen Backen: Diese Version kommt mit innen- und außen gestuften Backen. Der Gegensatz dazu sind Futter mit geteilten Backen, die kommen mit einem Satz Grundbacken und einem Satz Wendebacken, die je nach Bedarf umgebaut werden müssen)

Ist Außen sauber verarbeitet, die Backen sitzen sehr streng in den Schächten und man schneidet sich die Hände nicht blutig.
Soweit alles in Ordnung, die Schrauben die dabei sind bzw. verbaut sind, sind alle 12.9.
Zerlegt, alles ist gefettet und relativ sauber. Aber einige Stellen die scheinbar im zusammengebautem bearbeitet sind haben schon etwas stärkere Grate.

Also das übliche Programm für neue Backenfutter – Übrigens mach ich das mit Futtern von jedem Hersteller, nicht nur mit Chinesen. Das kleine Röhm Planspiral das ich in der Firma vor kurzem Bestellt habe, hat die gleiche Behandlung bekommen.
Alles entgraten, Ecken verrunden, im Ultraschallreiniger auswaschen, alle bewegten Teile mit MoS2 Fett abschmieren und wieder montieren.

Für den Flansch habe ich mir eine 130er Ronde GG25 bestellt. Erste Seite plangedreht, Außendurchmesser gedreht, gebohrt, und passend zur Spindelnase ausgedreht.
Ich trau zwar meinen Messwerkzeugen recht gut, aber die tatsächliche Anprobe an der Spindelnase, ist ein guter Sicherheitsfaktor, bevor man das Teil ganz ausspannt – Ich nehm dazu das Futter mit dem gespanntem Werkstück von der Spindel und probiere es den neugedrehten Flansch an der Spindel. Wäre bei einem Kurzkegelflansch unumgänglich, um das korrekte Spaltmaß an der Planfläche hinzubekommen.

Ein sauber gefertigter Spindelnasendummy wäre da mal schön. Will ich mir schon ewig mal drehen/schleifen, aber so oft brauche ich den dann auch nicht.

Umgedreht und die gesägte Fläche sauber gedreht. Das ist nur ein Zwischenschritt weil ich die Spindelnasenseite des Flansches gerne geschliffen hätte.
Dazu kommt der Flansch auf die Flachschleifmaschine. Erst mit der Spindelnasenseite auf dem Magneten, die gegenüberliegende Fläche planen (Weil die Spindelnasenseitige Planfläche und der Zentrierdurchmesser in einer Aufspannung gedreht sind und geometrisch korrekt zueinander stehen (Planlauf), will ich diesen Zusammenhang nicht gefährden. Die zweite Seite ist ja „nur“ planparallel gedreht und hatte etwa 1/100mm Planschlag, der ist nach dem überschleifen weg.)
Anschließend wird der Flansch umgedreht und die Spindelnasenseitige Planfläche überschliffen. Auch hier wieder, weil meine Schleifmaschine etwas zu klein ist, durch weiterdrehen des Teils.

Bohren und Gewindeschneiden der Spindelnasenseitigen Stehbolzengewinde M10:

Danach kann der Flansch in der richtigen Orientierung auf der Spindel montiert werden und der Zentrierbund, der eigentlich keiner ist, gedreht werden.

Da es sich um ein Futter mit Feinverstellung handelt, hat das Futter im hinteren Bereich vier Madenschrauben, die das Futter bei leicht gelösten Befestigungsschrauben auf dem Flansch verschieben können. Damit das funktioniert, braucht es aber einen Zentrierbund der Untermaß hat – Ich habe mich für 1mm Untermaß entschieden, das gibt einen Verstellweg von 0,5mm in alle Richtungen.

ch hatte den Flansch dann schon von der Maschine, da ist mir eingefallen das ich gerne noch zwei große Schlüsselflächen hätte, mit denen ich das Futter im Schraubstock der Fräse spannen kann – Z.b. um ein vorher gedrehtes Teil, ohne umzuspannen, noch fräsend/bohrend bearbeiten zu können.
Orientieren des Flansches mit zwei eingeschraubten Stiftschrauben, einer Parallelleiste und dem Fühlerhebelmessgerät:

Passt wunderbar auf die Drehmaschine – Das Futter baut minimal länger als ein normales Futter ohne Feinverstellung, die Vorteile überwiegen meiner Meinung nach aber diesen Nachteil.

Das Futter bzw. den Flansch hatte ich ursprünglich für meine alte Drehmaschine, eine HBM250x550 angeschafft und angefertigt, aber nach dem Kauf der Emco Super 11 habe ich den Flansch schnellstmöglich an die neue Maschine angepasst.

Die Schlüsselfläche ist extrem nützlich wenn ein Drehteil auf der Fräsmaschine weiter bearbeitet werden soll. Dann kann das Futter einfach von der Drehmaschinenspindel genommen, die drei Stehbolzen herausgeschraubt und das Futter im Schraubstock gespannt werden: