Geometrische Überholung Schaublin 102 Oberschlitten

Zu diesem Projekt gibt es zwei Youtubevideos die den kompletten Prozess beschreiben:
Rebuilding a Schaublin 102 compound slide – Part 1
Rebuilding a Schaublin 102 compound slide – Part 2
(Öffnet in neuem Fenster auf Youtube.)

Ein Schaublin 102 Oberschlitten hat es zu mir auf die Werkbank geschafft – Zur geometrischen Überholung, außerdem soll eine neue Keilleiste eingepasst werden, da an der momentan verbauten Leiste das Ende abgebrochen ist und der Einstellweg wegen Verschleiß am Ende ist.

Als erstes wird das Unterteil vom Oberschlitten Begutachtet – Die Schnittstelle zum Planschlitten. Die Fläche ist auf einer Topfschleifmaschine flachgeschliffen und sieht ziemlich gut aus, nur an den Schraubenlöchern ist etwas Material aufgeworfen, hier gut durch die polierten Stellen (Durch das abziehen mit einem Stein) sichtbar. Dieses aufgeworfene Material muss egalisiert werden, bevor man irgendwelche sinnvollen Messungen auf der Granitplatte machen kann.

Derartige Materialaufwürfe entstehen in der Regel durch zu starkes anziehen der Schrauben.

Messung der Parallelität der horizontalen Führungsfläche zur Fußfläche. Wie zu erwarten an den Enden verschlissen, die Zahlen sind in 1/100mm. Das ist überhaupt kein Problem, die Flächen kann man wunderbar Flachschleifen und auf Tragbild schaben.

Das längere Teil des Oberschlittens, Parallelität zur Aufspannfläche für den Stahlhalter gemessen, ebenfalls wie zu erwarten, mittig eingelaufen.
Begonnen wird mit dem längeren Teil des Oberschlittens, die flachen Führungsflächen werden geschabt.
Sinnvollerweise fängt man mit der Fläche an die stärker verschlissen ist und setzt die zweite Fläche dann auf die gleiche Höhe.
Theoretisch müssen die Flächen nicht auf gleicher Höhe sein, nur gerade und parallel zueinander, aber mMn. ist es einfacher beide auf gleicher Höhe zu haben. Schließt eine mögliche Fehlerquelle aus.
Den Schwalbenschwanz habe vermessen, aber solange der flache Führungsteil nicht gerade ist, ist die Messung wenig aussagekräftig, weil man zwei Fehler überlagert – Aber man bekommt immerhin eine Idee über den Zustand des Schwalbenschwanzes.

Aufspannung zum Schaben, zwei Holzprismen und die große Holzzwinge. Durch die schräge Aufspannung sieht man gut auf die zu schabende Fläche.

Einige grobe Schabedurchgänge um einen Großteil des Materials zu entfernen.
Sieht im Anschluss schon besser aus, die Fläche hängt nach innen zum Freistich etwas und fällt über die ganze Länge relativ Gleichmäßig um 3-4/100mm.
Also Fläche kippen durch Stufenschaben, die Zahlen geben die Zahl der Durchgänge pro Feld an.

Stufengeschabt und anschließend einige Durchgänge um wieder ein Tragbild auf ganzer Länge zu erhalten:

Bevor die erste Fläche Final geschabt wird, wird erst einmal die zweite Fläche parallel und auf gleiche Höhe geschabt.
Hier habe ich schon 6 Durchgänge grob geschruppt, die zahlen in Klammer sind die Ausgangsmaße, die daneben sind die aktuellen Messwerte:

Etwa 8 Durchgänge später, zwischendurch immer wieder auf der Messplatte mit der Uhr die Höhe kontrolliert und zugleich mit dem Tuschierlineal sichergestellt das man sich von der Ebenheit im gesamten nicht zu weit entfernt.

Zwischenzeitlich wurde noch die parallele Führungsfläche des Oberschlittenunterteils flachgeschliffen. Die 3..4/100mm Verschleiß sind schneller geschliffen als geschabt.

Zurück zum Oberteil – Ich nehme eine der beiden Schwalbenschwanzflächen und messe die Parallelität zur Außenkante des Oberschlittens (Und zu den T-Nuten). Das ist zwar nicht wirklich kritisch, aber man wills ja ordentlich machen. Und den Verschleiß muss man sowieso rausschaben, da ist die Parallelität zur Außenfläche kein nennenswerter Zusatzaufwand.

Weil ich neugierig war, hab ich den Oberschlitten mal auf das Unterteil gesetzt und die Parallelität des Gesamtsystems in verschiedenen Stellungen gemessen. Durchwegs besser 1/100mm.

Hier die Aufspannung zum schaben der schrägen Flächen. Das Kantholz stützt den Oberschlitten nach hinten ab.
So kann man relativ bequem schaben und man sieht was.

Das Oberteil ist fertig geschabt – Jetzt kommt das Unterteil. Die parallelen Führungsflächen sind ja bereits geschliffen, ich hab sie nur noch Mustergeschabt.
Als nächstes schabe ich die Schwalbenschwanzfläche, die der Gleitpartner für das Oberteil darstellt, als Meister zum tuschieren nehme ich eben selbiges Oberteil, damit die Winkel zusammenpassen.

Wenn der fertig geschabt ist, kommt die Anlagefläche für die Keilleiste dran – Der Keil ist ja parallel, die der Winkel der Anlagefläche muss also dem Schwalbenschwanzwinkel entsprechen, kann also auch mit dem Oberteil tuschiert werden:

Die Keilleiste ist etwa 0,6mm zu dick – Also den Winkeltisch auf die Fräse gepackt, das Magnetfutter mit zwei Parallelzwingen draufgespannt und auf den Winkel der Keilleiste eingestellt.

Natürlich hat der Keilwinkel nicht perfekt gestimmt, aber er war schon relativ nah dran.
Der Messaufbau um den Kegelwinkel indirekt zu kontrollieren ist recht einfach. Die Keilleiste ganz leicht in den Schlitten packen und das Seitenspiel vom Schlitten zum Unterteil an beiden Enden messen.

Auf zwei mal Nachstellen hatte ich das Seitenspiel von Ende zu Ende unter 1/100mm – Zum einen mit der Messuhr geprüft, zum anderen mit 1/100mm Fühlerlehrenband, das an allen vier Ecken der Keilleiste sauber klemmt.
Damit geht das Schaben erheblich schneller. Und die Keilleiste ist weit genug in der Führung. Vorher ging die Leiste nicht einmal halb in die Führung.
Fertigschaben der Keilleiste auf dem Magnetfutter. Dabei wird mit dem Tuschierlineal bzw. auf der Granitmessplatte abtuschiert und alle paar Schabedurchgänge die Passgenauigkeit des Keils in der Führung überprüft.

Der fertig überholte Oberschlitten, die Keilleiste ist so eingestellt das der Schlitten von Ende zu Ende etwas weniger als 1/100mm Seitenspiel hat.